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Macher Peter Geiselhart, Jugendarbeiter beim schjkk, mit einer Schülerin und zwei Schülern der 3. Primarschulklasse in Rheinfelden beim Üben für die grosse Bühne. Foto: Sonja Fasler
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«Es geht ums pure Leben» – Rheinfelden: Musical «Hallo Leben, Hallo Welt» auf der Zielgeraden

Vor rund eineinhalb Jahren hatte Peter Geiselhart, Jugendarbeiter beim schjkk in Rheinfelden, die Idee zu einem Musical. Inzwischen hat das Ganze Gestalt angenommen, und es wird in verschiedenen Institutionen in der Region Rheinfelden und in Lörrach fleissig geübt, damit sich die einzelnen Lieder, die eine Geschichte erzählen, schlussendlich zu einem Ganzen zusammenfügen. Das Musical mit rund 120 Mitwirkenden wird im Rahmen des Aargauer Familientags am 14. September in der Kurbrunnenanlage in Rheinfelden uraufgeführt.

SONJA FASLER

Auch das Verbeugen will geübt sein: Lehrer Jonas Weiss (rechts aussen) mit seiner Klasse. Foto: Sonja FaslerPeter Geiselhart ist gespannt, was ihn in der letzten Schulwoche vor den Sommerferien beim Besuch in der 3. Primarschuleklasse im Hugenfeld-Schulhaus erwartet. Anfang Mai hatte er mit Unterstützung von Klassenlehrer Jonas Weiss das Lied «Wie ne Rakete» mit den 24 Schülerinnen und Schülern in nur zwei Tagen erarbeitet und aufgenommen. Seither hat er die Kinder nicht mehr gesehen. Lehrer Jonas Weiss hat das Lied jedoch regelmässig mit seinen Schülern geübt, wie sie sogleich im Klassenzimmer demonstrieren. «Das isch de Start vom neue Läbe, mir hebe ab wie ne Rakekte», tönt es lauthals aus den Kinderkehlen. Peter Geiselhard ist sehr zufrieden und informiert die Sängerinnen und Sänger, wie der Auftritt am 14. September in etwa ablaufen wird. Das Spezielle ist nämlich, dass das Musical «Hallo Leben, Hallo Welt» bis zu seiner Aufführung nie als Ganzes geprobt wird. Es besteht aus 14 Liedern, sowohl solche auf Schweizerdeutsch als auch auf Hochdeutsch, die alle separat aufgenommen wurden. Wie einzelne Puzzleteile fügen sie sich zu einer Geschichte zusammen. Diese erzählt eine Theaterpädagogin in einzelnen Sequenzen zwischen den Liedern.
Peter Geiselhart hat die ganzen Aufnahmen im Tonstudio bereits zum kompletten Musical zusammengefügt und lässt die Primarschulkinder einmal reinhören, damit sie sich vorstellen können, wie die fertige Version klingt. Die Drittklässler sind sichtlich beeindruckt.

Für den umtriebigen Jugendarbeiter und Musiker Peter Geiselhart ist das Musical ein Herzensprojekt. Foto: Sonja FaslerOffene Türen eingerannt
Der Jugendarbeiter hatte die Idee und einige Lieder beieinander als er letztes Jahr mit dem Musical-Projekt an seine Chefin beim schjkk, dem Trägerverein für Schüler-, Jugend und Kinderkultur, Liliane Regitz, gelangte und bei ihr auf offene Ohren stiess. Auch die Zusammenarbeit mit der Schule klappte bestens, passt das Musical doch ins Projekt «Bildungslandschaft», das unter anderem die Vernetzung zwischen Schule und Jugendarbeit zum Ziel hat.
Überhaupt habe er mit seiner Idee offene Türen eingerannt, freut sich Peter Geiselhart. Und weil es ohne finanzielle Unterstützung nicht geht, wurden diverse potenzielle Sponsoren für das Projekt angefragt. Aus dem Swisslosfonds des Kantons Aargau wurden 10 000 Franken zugesichert. Unter anderem gehören auch die Stiftung Pro Fricktal, das Kreisjugendreferat Lörrach sowie die Jugendfonds der Oberrheinkonferenz zu den Unterstützern. «Sie alle haben das Grundgerüst ermöglicht», sagt Peter Geiselhart, der seine eigene Arbeit nicht in Rechnung stellt. Bei der Produktion der Aufnahmen kamen ihm seine langjährigen Kontakte in der Musikszene zugute. Eine grosse Hilfe war ihm beispielsweise ein befreundeter Tontechniker. Geiselhart macht in seiner Freizeit nämlich selbst Musik und hat sich in der Region als «Peter Reimtgut» einen Namen gemacht. Seine Stärken: Rapmusik und – wie es sein Name schon sagt – gute Reime. Damit habe er schon als 14-Jähriger begonnen, erzählt der heute 38-Jährige Lörracher, der aus einer musikalischen Familie stammt. So wie andere zum Ausgleich Sport treiben, sei es bei ihm die Musik. Die verschaffe ihm in seiner Tätigkeit als Jugendarbeiter auch immer wieder einen guten Zugang zu den Kids, wie er sagt.

Das farbenfrohe Plakat zum Musical «Hallo Leben, Hallo Welt». Bild: zVgVom 3-jährigen Knirps bis zum 85-jährigen Grossvater
Zurück zum Musical, bei dem rund 120 Personen aus verschiedenen Institutionen aus Rheinfelden, Möhlin und Magden aber auch aus Lörrach mitwirken. Alles Laien, vom 3-jährigen Knirps bis zum 85-jährigen Grossvater. «Im Musical geht es ums pure Leben», fasst Peter Geisselhart den Inhalt in einem Satz zusammen und präzisiert: «Ein Kind kommt auf die Welt und wird erwachsen.» Passend dazu wird das Intro von einem 4- und einem 5-jährigen Kind gesungen. Es gehe um Fragen an das Leben und was in dessen Verlauf alles auf einem zukomme, so Geiselhart. Nach Kindergarten und Primarschule kommt eine 16-jährige aufmüpfige Teenagerin zu Wort. Es geht aber nicht nur um eitel Sonnenschein, auch Krankheit, Alter, Tod und Verlust werden thematisiert. So ist beispielsweise die Kindertrauergruppe «Tapfere Herzen» aus Lörrach mit einem Lied dabei. Und mit einer Primarschulklasse aus Magden ist ein Lied zum Thema Kinderrechte entstanden.

«Ein noch grösseres Herzensprojekt, als ich gedacht habe»
Ein weiterer Beitrag befasst sich mit Inklusion und wird von der 14-jährigen Isabelle, die an einer seltenen Krankheit leidet und im Rollstuhl sitzt, vorgetragen. «Dass sie, die sich von ihrer Krankheit nicht entmutigen lässt, mitmacht, freut mich besonders», sagt der Jugendarbeiter und gesteht: «Das Ganze wird ein noch grösseres Herzensprojekt, als ich ursprünglich gedacht habe.» Toll findet er ausserdem die Tatsache, dass es sich um ein grenzüberschreitendes Projekt handelt. «Es zeigt, wie gut landesübergreifende Zusammenarbeit funktionieren kann», sagt Geiselhart.
Deshalb wird das Musical nicht nur, wie erwähnt, am 14. September um 17 Uhr in Rheinfelden aufgeführt, sondern ein weiteres Mal am 1. November im Burghof in Lörrach.
Obwohl alles sehr niederschwellig entstanden sei, freut sich der Macher über die ausgesprochen «hochwertige Produktion», die nach den Aufführungen auch auf Plattformen wie Youtube und Spotify abrufbar sein wird. Die Beteiligten erhalten das Musical als Andenken auf einem USB-Stick.

Erstes Bild: Macher Peter Geiselhart, Jugendarbeiter beim schjkk, mit einer Schülerin und zwei Schülern der 3. Primarschulklasse in Rheinfelden beim Üben für die grosse Bühne. Foto: Sonja Fasler
Zweites Bild: Auch das Verbeugen will geübt sein: Lehrer Jonas Weiss (rechts aussen) mit seiner Klasse. Foto: Sonja Fasler
Drittes Bild: Für den umtriebigen Jugendarbeiter und Musiker Peter Geiselhart ist das Musical ein Herzensprojekt. Foto: Sonja Fasler
Viertes Bild: Das farbenfrohe Plakat zum Musical «Hallo Leben, Hallo Welt». Bild: zVg